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Warum ich mir einen Küchentimer selbst gebaut habe

2. Sept.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 3. Sept.

RONDO Küchen Timer auf Steroiden
RONDO Küchen Timer auf Steroiden

Zwei Dinge mache ich besonders gerne: mit ESP32-Boards herumprobieren und kochen. Meistens getrennt. Diesmal nicht.


Beim Kochen laufen bei mir selten weniger als drei Dinge gleichzeitig, Kartoffeln, Braten, dazu irgendetwas in der Pfanne. Und die Timer dafür sind seit Jahren das schwächste Glied. Das Handy liegt im anderen Zimmer, meine Hände sind schmutzig, und für jeden einzelnen Timer muss ich entsperren, wischen, tippen. Die Eieruhr am Herd kann genau eine Zeit. Der Backofen kann auch genau eine, und die vergisst er, wenn man ihn ausschaltet.

Was ich wollte, war eigentlich simpel: ein Gerät, das dauerhaft in der Küche steht, mehrere Zeiten gleichzeitig kann, und das ich durch tippen bedienen kann.


Ein rundes Display mit einem Drehring


Die Grundlage ist ein Guition JC3636K718C, ein 1,8-Zoll-Runddisplay mit einem Ring, der sich drehen lässt und dabei spürbar einrastet. Genau das wollte ich: Zeit einstellen ist Drehen, nicht Tippen. Dazu kommen ein Lautsprecher, ein Vibrationsmotor und ein Ring aus dreizehn LEDs hinter dem Rand.


Was drinsteckt: rundes Display mit 360 × 360 Punkten und Touch, Drehring mit spürbarer Rastung (ohne Taster), Lautsprecher, Vibrationsmotor und dreizehn LEDs hinter dem Rand, Bluetooth für das Thermometer. Gebaut mit Arduino und LVGL, ohne WLAN und ohne Benutzerkonto.


Acht Seiten liegen nebeneinander wie Bilder in einem Album: laufende Timer, ein Screen zum Anlegen, Vorlagen, Eieruhr, Stoppuhr, Einstellungen und das Grill-Thermometer, dazu gleich mehr. Gewischt wird für die Seite, gedreht für den Wert. Mehr Regeln gibt es nicht.


Jeder Timer hat seine eigene Farbe — auf dem Schirm und auf dem LED-Ring.
Jeder Timer hat seine eigene Farbe — auf dem Schirm und auf dem LED-Ring.

Dass jede Zeit eine eigene Farbe bekommt, klingt nach Spielerei, ist aber der praktischste Teil des Ganzen. Der LED-Ring nimmt die Farbe der Zeit an, die man gerade ansieht, und leert sich langsam. Aus drei Metern Entfernung weiss ich damit, wie weit der Braten ist, ohne die Zahl lesen zu können.


Der Alarm muss stören dürfen


Wenn eine Zeit abläuft, holt das Gerät sie von selbst nach vorne, blinkt in ihrer Farbe, brummt, spielt eine Melodie und lässt die LEDs mitblinken. Zum Abschalten tippt man mitten auf den Bildschirm, die ganze Fläche ist die Taste. Das war Absicht: mit teigigen Fingern trifft man keinen kleinen Knopf, mit dem Handrücken schon.


Abgelaufen. Blinken, Brummen, Melodie — und die halbe Bildmitte ist die Stopptaste.
Abgelaufen. Blinken, Brummen, Melodie — und die halbe Bildmitte ist die Stopptaste.

Und dann das Ding mit dem MEATER


Ich benutze seit einiger Zeit ein MEATER-Thermometer zum Grillen und Braten. Der Fühler ist grossartig. Die App mag ich nicht.


Ich will nicht durch Menüs navigieren, mich nicht einloggen und keine Garprogramme auswählen. Ich will die Temperatur sehen.

Der Fühler funkt Bluetooth, und die Community hat das Protokoll längst offengelegt. Also habe ich es eingebaut: RONDO sucht das Thermometer von selbst, verbindet sich und zwar mit der Ladeschale, die praktischerweise als Verstärker arbeitet und zeigt an, was ankommt. Kerntemperatur gross, darunter die Temperatur im Garraum und der Ladestand des Fühlers.


Genau das, was ich wollte: eine Zahl, ohne App.
Genau das, was ich wollte: eine Zahl, ohne App.

Einen Haken hat es: der Fühler spricht immer nur mit einem Gerät. Solange RONDO verbunden ist, findet ihn die App auf dem Handy nicht. Für mich ist das kein Verlust, genau deshalb habe ich es ja gebaut.


Die Eieruhr, die rechnet


Ein kleiner Nebeneffekt, an dem ich unverhältnismässig viel Freude habe: Man sagt dem Gerät, wie gross das Ei ist, ob es aus dem Kühlschrank kommt und wie man es mag und es rechnet die Kochzeit aus, statt sie aus einer Tabelle abzulesen. Dahinter steckt eine Formel von Charles Williams, die beschreibt, wie lange die Wärme bis zum Dotter braucht.


Mittleres Ei, Kühlschrank, weich: 4:35.
Mittleres Ei, Kühlschrank, weich: 4:35.

Drei Dinge, die mich überrascht haben


Der Drehring ist kein Drehgeber. Ich hatte einen normalen Encoder erwartet, zwei Signale, Richtung aus der Reihenfolge. Stattdessen kommt pro Rastung ein Impuls, je nach Richtung auf einer anderen Leitung. Und zwar zwei davon pro Klick, während die jeweils andere Leitung nachklingelt. Herausgefunden habe ich das nicht durch Nachdenken, sondern indem ich jede einzelne Signalflanke mit Zeitstempel mitgeschnitten habe. Vorher fühlte sich der Ring einfach nur „hakelig“ an.


Mein erstes Board konnte gar nicht piepen. Ein anderes Runddisplay, mit dem ich angefangen hatte, hat zwar einen Audio-Chip, aber weder Lautsprecher noch Verstärker, der Ton geht auf eine Klinkenbuchse. Ein Küchen-Timer, der nur mit angesteckter Box piept, ist keiner. Also lief der Alarm dort optisch und über den Vibrationsmotor, und für die endgültige Fassung bin ich auf das Board mit Lautsprecher gewechselt.


Claude har der Küche einen Simulator gebaut. Für jede Layout-Änderung neu zu flashen war zu langsam, also übersetzte Claude dieselben Oberflächen-Dateien auch für den Mac. Das Programm rendert alle Screens als Bilder, die Screenshots in diesem Beitrag stammen genau daher und meldet jedes Element, das aus dem runden Sichtfeld ragt. Nebenbei hat Claude so einen Fehler gefunden, den ich sonst erst in der Küche bemerkt hätte: Der Speicher der Grafikbibliothek war zu knapp bemessen, und beim Alarm wäre das Gerät stumm stehengeblieben. Ausgerechnet im entscheidenden Moment.


Was als Nächstes kommt


  • Eine Zieltemperatur für das Thermometer, damit der Braten mich ruft, statt dass ich hinschaue.

  • Timer-Ketten: kneten, gehen lassen, backen, hintereinander, automatisch.

  • Mehrere Geräte koppeln, damit der Timer aus der Küche auch im Wohnzimmer meldet.


Das Projekt wurde mit Unterstützung durch Claude realisiert.





 
 
 

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